VAEB-Newsletter: Handynacken und SMS-Daumen

Digitaler Lifestyle verursacht mitunter chronische Krankheitsbilder

Sehen Sie sich einmal um: Egal ob in der U-Bahn, im Restaurant, beim Friseur oder sogar mitten auf der Straße starren die Menschen unbeirrt auf ihre Handys. Schicken SMS und lesen Mails, sehen sich Fotos und Filme auf Social Media an oder suchen per Google nach einer Information. Das Handy ist zum ständigen Begleiter geworden – und für die meisten von uns unentbehrlich.

Kurioses Ergebnis der Umfrage eines Meinungsinstituts: Den Österreichinnen und Österreichern ist die Nutzung ihres Handys sogar wichtiger als Sex.

Nur die wenigsten machen sich bei ihrer permanenten Handynutzung Gedanken darüber, welche gesundheitlichen Folgen ebendiese haben kann. Wenn wir durchschnittlich 150 Mal am Tag unseren Kopf Richtung Handy-Display senken, dann ist das ein Kraftakt für die Halswirbelsäule. Sie ist in dieser Position des Hinunterschauens besonders hohen Kräften ausgesetzt. Wirken doch bei einem Neigungswinkel von 45 Grad ganze 20 Kilo auf den Nackenbereich. Die Bänder werden dabei stark gedehnt und die Muskeln verspannen sich. Auf Dauer ist das Gift für den Nacken und verursacht Schmerzen. Kommen noch weitere Stressoren wie seelische Belastungen oder Bewegungsmangel dazu, so können die Schmerzen leicht chronisch werden. Schon bei jungen Leuten führen diese Schmerzen zu Fehlhaltungen, die den gesamten Rücken schädigen oder zu einem äußerst unangenehmen regelmäßigen Spannungskopfschmerz führen können.

Was tun gegen Verspannungen? – Der erste Schritt zur Entspannung des Nackens ist, sich des Problems bewusst zu werden und über Möglichkeiten einer nicht gesundheitsschädigenden Nutzung des Handys nachzudenken. Tägliche Digital-Detox-Einheiten mit zeitweisem Verzicht auf das Handy machen nicht nur das Leben ruhiger, sondern entlasten auch die Halswirbelsäule. Und die Seele: Ständiges Online-Sein überflutet das Gehirn mit Reizen und führt zu permanenter Angespanntheit. Deshalb ist es so wichtig, zur Ruhe zu finden.

Die menschliche Wirbelsäule ist für Bewegung konstruiert. Langes und starres Sitzen lässt sie verkümmern. Planen Sie also Bewegung in Ihren Alltag ein – kleine Geh-, Radfahr- oder Laufeinheiten, bei denen Sie Ihre Umwelt bewusst wahrnehmen. Auch ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist für die Versorgung von Knochen, Muskeln und Bändern wichtig.

Schmerzen auch im Daumen – Wer zu häufig auf dem Handy herumdrückt, riskiert mitunter eine chronische Überbeanspruchung der Daumen. So kann sich durch das häufige Schreiben von Textnachrichten eventuell eine sehr schmerzhafte Sehnenscheidenentzündung entwickeln. Die Beschwerden treten bei greifenden, drückenden und haltenden Daumenbewegungen auf und strahlen bis in den Unterarm aus. Die entzündete Sehne ist oft als verhärtete und erwärmte Schwellung tastbar und reagiert äußerst druckempfindlich. Unbehandelt können Schmerzen und Funktionseinschränkungen chronisch werden – ähnlich wie beim Nacken.

Die Behandlung erfolgt durch Ruhigstellung des Daumens mittels Schiene oder Stützbandage und durch die Gabe entzündungshemmender Medikamente. Nach der akuten Entzündungsphase wird eine Ergotherapie oder Physiotherapie empfohlen. Schlägt die konservative Therapie nicht an, kann sogar eine Operation nötig werden.

Fazit: Das Zeitalter der Digitalisierung ist längst angebrochen und wir müssen uns den dadurch bedingten Auswirkungen auf die Gesundheit bewusst werden. Auf der anderen Seite sind durch die Digitalisierung Informationen über Gesundheit sehr schnell verfügbar geworden. Und das ist ja durchaus auch die positive Seite von Handy und Co. Leichte Änderungen des Lebensstils unter Miteinbeziehung von ergonomischen Bewegungsabläufen können chronischen Beschwerden in unserem digitalen Alltag vorbeugen und sowohl zu einer körperlichen als auch zu einer seelischen Entspannung beitragen.

Manchmal tut es einfach gut, nicht verfüg- und erreichbar zu sein.

Für den Inhalt verantwortlich: Dr. Monika Mustak-Blagusz, Leitende Ärztin der VAEB
Text: Mag. Susanne Lintl-Sturz