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Ein Mangel an Bewegung hat schwere körperliche Folgen und ist ein krankmachender Faktor

150 Minuten pro Woche – das wäre das richtige Pensum. Das unbedingt nötige Pensum an Bewegung, das der Mensch braucht, um dauerhaft gesund zu bleiben. Denn die Hochleistungsmaschine Körper muss geölt und in Schwung gehalten werden: Lässt man sie einrosten, indem man sie vorrangig in einem Sessel platziert und nur für alltägliche Dinge wie Einkaufen, Arbeiten oder Essen und Trinken in Betrieb nimmt, so nimmt sie Schaden.

Faktum ist: Die Menschen in den westlichen Industriestaaten bewegen sich viel zu wenig. Im Schnitt legen Menschen, die in einem Büro arbeiten, an einem Tag nur noch 800 bis 1000 Meter zu Fuß zurück, was alarmierend wenig ist. Mehr als neun Stunden täglich verbringt der durchschnittliche Österreicher im Sitzen. Oder, in Prozent ausgedrückt: Über 26 Prozent der österreichischen Männer und  über 33 Prozent der österreichischen Frauen betätigten sich in den letzten Jahren zu wenig körperlich. Auffällig ist, dass laut Weltgesundheitsorganisation WHO der Anteil der weniger aktiven Menschen in reichen Ländern deutlich höher ist als in wirtschaftlich schlechter gestellten.

Was hat es für Folgen, wenn Bewegungsmangel zum Dauerzustand wird? – Die Folgen sind aus ärztlicher Sicht gravierend. Mangelnde körperliche Aktivität ist ein führender Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, für Diabetes und Krebs. Eingeschränkte Bewegung fördert Bluthochdruck und koronare Herzkrankheiten. Sie erhöht auch das Risiko, an Alzheimer zu erkranken. Von den Folgen für die Muskeln ganz zu schweigen: Wer sich zu wenig bewegt, setzt Fett an. Das Verhältnis von Muskeln und Fett ändert sich. Mit dem steigenden Fettanteil schwinden Ausdauer und Stärke und es steigt das Risiko für Stoffwechselprobleme.

Die häufigste Folge von Bewegungsmangel sind chronische Rückenschmerzen. Wer wegen der fehlenden Bewegung an Kraft verliert, kann seine Wirbelsäule weniger lang aufrecht halten und die Gelenke werden instabil. Den ganzen Tag in der gleichen Position zu sitzen führt zu Fehlhaltungen – die mögliche Folge können im schlimmsten Fall nicht nur Rückenschmerzen, sondern auch ein Bandscheibenvorfall sein. Wenn wir viel sitzen, verspannen sich auch Hals und Nacken. Die Verspannungen ziehen sich bis in den Kopf, Kopfschmerzen können die Folge sein.

Die Folgen des Bewegungsmangels offenbaren sich auch nicht sofort, sondern sie bauen sich über die Jahre auf: Wir kommen schneller außer Atem, wenn wir Treppen steigen, ziehen auch auf kurzen Strecken das Auto dem Fahrrad vor, haben keine Muskelkraft mehr beim Heben, können uns immer schwerer bücken und nicht mehr der Straßenbahn oder dem Bus nachsprinten. Der Körper verliert an Spannkraft und Geschmeidigkeit. Das fortschreitende Alter spielt bei Bewegung übrigens keine Rolle: Es gibt schlicht und einfach kein Alterslimit, um aktiv zu sein. Die körperliche Leistungsfähigkeit steigt zwar in den Zwanzigern und nimmt ab dem 40. Lebensjahr ab, doch dies bedeutet lediglich, dass wir uns mit zunehmendem Alter mehr um unseren Körper kümmern müssen und die Form der Bewegung den Fähigkeiten anpassen müssen. Gymnastikübungen, Wandern, leichte Spaziergänge, sanftes Yoga oder Schwimmen kann man auch bis ins hohe Alter machen, da gibt es keine Ausrede.

Nach Ansicht der WHO ist – wie eingangs erwähnt – körperlich aktiv, wer sich 150 Minuten in der Woche moderat bewegt oder 75 Minuten pro Woche Sport treibt. Das ist – auf sieben Tage aufgerechnet – nicht viel pro Tag. Man muss die Bewegung nur wollen und wie selbstverständlich in den Tagesablauf einplanen. Der menschliche Körper ist nicht fürs Sitzen und Passivsein gemacht. Unsere Ahnen in der Steinzeit waren täglich viele Stunden, bis zu 30 Kilometer unterwegs, um zu sammeln und zu jagen. Nur einen kleinen Bruchteil davon sollten wir, die hoch entwickelten und zivilisierten Nachfahren, doch auch schaffen können – ist doch unsere Zivilisationszeit im Vergleich zur ganzen Menschheitsgeschichte kurz und unsere Körper sind noch immer, wie jene unserer jagenden und sammelnden Vorfahren, auf tägliche Bewegung getrimmt.

Für den Inhalt verantwortlich: MR Dr. Peter Grabner
Text: Mag. Susanne Lintl-Sturz