VAEB-Newsletter: Die Masern sind zurück

Wir freuen uns über die neu abgeschlossene Kooperation mit der VAEB, dank der wir hier in Zukunft die Newsletter der VAEB zu gesundheitlichen Themen veröffentlichen dürfen. Lesen Sie den ersten Newsletter mit dem Titel:

Die Masern sind zurück

Bedenkliche Steigerung der Krankheitsfälle – Impfen ist unbedingt notwendig

Alarmiert zeigen sich ÄrztInnen und Gesundheitsbehörden in Österreich über den Anstieg der Masernerkrankungen im heurigen Jahr. Im Vergleich zu 2017 hat sich die Zahl der Masernfälle heuer mehr als verdreifacht, mehr als 41.000 Kinder und Erwachsene erkrankten im ersten Halbjahr 2018 in Europa, wobei die meisten Fälle aus der Ukraine, Frankreich, Griechenland und Serbien gemeldet wurden. Alleine in Österreich gab es bis Ende Juni 62 Masernfälle. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2017 waren es nur 95.

Die Hauptgründe für den bedenklichen Anstieg: die Impfskepsis und die extreme Ansteckungsgefahr bei Masern. Ein erkrankter Patient/eine erkrankte Patientin kann sage und schreibe bis zu 18 weitere Menschen anstecken.

Besonders betroffen von der Krankheit sind Babys, die noch gar nicht geimpft wurden, und junge Erwachsene, die zum Teil ungeimpft sind beziehungsweise die Folgeimpfung versäumt haben. Nicht oder unzureichend geimpfte Menschen sind nicht nur selbst in Gefahr, schwer zu erkranken, sondern sie sind auch ein hohes Risiko, weil sie Babys, ältere, chronisch kranke oder immunsupprimierte MitbürgerInnen infizieren können. Ein kompletter Impfschutz wäre daher auch im Sinne der Rücksichtnahme auf andere Menschen dringend zu empfehlen.

Interessanterweise ist die Impfskepsis gerade bei der Bevölkerungsgruppe mit hohem Bildungsgrad besonders ausgeprägt. Obwohl das Risiko für Impfschäden nachgewiesenermaßen bei eins zu einer Million liegt, kursieren Mythen, die im Widerspruch zu den wissenschaftlichen Fakten stehen, welche eine gute Verträglichkeit der Impfung belegen.

„Impfskepsis ist ein Phänomen der Wohlstandsgesellschaft“, konstatiert Heidemarie Holzmann vom Zentrum für Virologie der MedUni Wien. Aufgrund der verbesserten Gesundheitszustände in den westlichen Zivilisationsgesellschaften unterschätzen die Menschen die Gefahr einer Masernerkrankung mit ihren potenziell gravierenden Folgen und überschätzen die möglichen Nebenwirkungen der Impfung. Doch der Nutzen der Impfung überwiege das minimale Risiko, einen Impfschaden zu erleiden, bei weitem.

Was kann es für Folgen haben, wenn man nicht geimpft ist? – Masern sind hochansteckend, noch viel ansteckender als Grippe oder andere Viren. Um sich anzustecken, reicht es schon, sich in einem Raum zu befinden, in dem sich kurz zuvor eine infizierte Person aufgehalten hat. Noch dazu ähneln die ersten Symptome eher einem grippalen Infekt, ehe sich eine Diagnose anhand des typischen Hautausschlags sicher feststellen lässt. Potenziell können sich Masern also sehr schnell ausbreiten.

Masern sind eine schwere Erkrankung mit hohem Fieber. Es gibt keine wirksamen Medikamente dagegen, nur symptomlindernde Therapien. Die Masernviren sind sehr aggressiv und können auch andere Organe befallen. Gefährdet sind die Ohren mit möglichen Hörschäden als Folge. Es kann zu Mittelohrentzündungen, aber auch zu anderen Komplikationen wie Lungenentzündungen, schweren Durchfällen oder Augenschäden kommen. Gefürchtet ist die Gehirnhautentzündung SSPE (Subakute Sklerosierende Panenzephalitis), die bei einer von 1000 Personen auftritt. Sie führt zu lebenslänglichen schweren Behinderungen oder verläuft tödlich. Außerdem schwächt eine Maserninfektion das Immunsystem für mindestens zwei Jahre.

Braucht es also eine Impfpflicht? – In Italien wurde eine solche vor kurzem eingeführt und sie zeitigt auch schon Erfolge. In den USA hat die Impfpflicht dazu geführt, dass die Masern ausgerottet wurden. Für Österreich ist dies aber nicht der richtige Weg, meinen GesundheitspolitikerInnen. Das Einzige, was wirklich angedacht werden sollte, sei eine Impfverpflichtung für Krankenhaus- und Pflegepersonal, weil dieses ja durch seinen Kontakt mit vielen oft immungeschwächten Menschen ein großer Multiplikator von Erkrankungen ist. Eine Forderung, die auch durch das Faktum Gewicht erhält, dass 16% der heuer in Österreich mit Masern Infizierten in Gesundheitsberufen tätig sind.

Auch der Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger strebt als vorrangiges Gesundheitsziel an, die Durchimpfungsrate der SV-MitarbeiterInnen wie auch in den Gesundheitseinrichtungen bis 2019 merklich zu steigern.

Denn Impfschutz ist nicht nur eine persönliche Sache jedes Einzelnen, sondern ein Anliegen im Sinne der Gemeinschaft und der Volksgesundheit.

Für den Inhalt verantwortlich: MR Dr. Peter Grabner
Text: Mag. Susanne Lintl-Sturz